Der Neubau der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall wurde im April 1998 als Ersatz für die seit 1884 bestehende, direkt in der Altstadt von Schwäbisch Hall am Kocher gelegene Anstalt in Betrieb genommen.
Das ummauerte Gelände der Anstalt des geschlossenen Vollzugs im Industriegebiet Stadtheide beträgt ca. 3,4 ha; hinzu kommen noch ca. 1,5 ha für die im Jahre 2000 errichtete Ballspielhalle und einen geplanten Sportplatz außerhalb der derzeitigen Umfassungsmauer.
Die Gesamtbaukosten für die Justizvollzugsanstalt nebst Ballspielhalle betrugen seinerzeit rd. 76 Mio. DM. Im April 2003 wurde innerhalb des Anstaltsgeländes ein weiteres Haftgebäude in Betrieb genommen . Die Errichtungskosten hierfür lagen bei ca. 4,7Mio.€.
Zum 1. Mai 2015 wurde die angegliederte landwirtschaftliche Außenstelle Klein-Komburg geschlossen sowie die landwirtschaftliche Außenstelle Kapfenburg von der JVA Schwäbisch Gmünd übernommen.
Die Anstalt ist zuständig für den Vollzug von Freiheitsstrafen und Untersuchungshaft an Männern.
Die Geschichte der Haller Strafanstalt im 19. Jahrhundert
- 1839 - 1849
Mit der Einführung des neuen Württembergischen Strafgesetzbuches im Jahr 1839 wurde der Errichtung eines neuen Kreisgefängnisses in Schwäbisch Hall zugestimmt.
Im Jahr 1847 wurde der neu erbaute Gefängniskomplex in der Altstadt von Schwäbisch Hall, direkt am Kocher gelegen, vollständig bezogen. Neben dem Kreisgefängnis wurde ein Gebäude für jugendliche Strafgefangene in Betrieb genommen. Die Zahl der Kreisgefangenen wurde auf 250, die der jugendlichen Gefangenen auf 50 festgelegt.
Die Baukosten beliefen sich auf 229 988 Gulden und 3 Kreuzer. - 1849 - 1876
Von 1849 –1876 wurde die Anstalt als „Zuchtpolizeihaus“ für den Neckar- und Jagstkreis genutzt. 1871 wurde die Anstalt schließlich in „Landesgefängnis“ umbenannt. Die jugendlichen Gefangenen kamen von 1876 an nach Heilbronn in das dortige Gefängnis. - 1877 – 1900
Durch Zukauf des Klosters Klein-Komburg, das in eine „Filialanstalt“ umgewandelt wurde, erfuhr die Haller Anstalt eine bedeutende Erweiterung. Die als landwirtschaftliche Außenstelle der Anstalt genutzte Anlage war damals für eine Belegung von 60 – 90 Gefangenen vorgesehen und wurde im August 1877 bezogen. - In den Jahren 1898/99 wurde am Kocher ein nach den damals neuesten Vorschriften geplanter neuer Zellenbau mit 66 Zellen erstellt.
Die Entwicklung der Haller Strafanstalt im 20. Jahrhundert
- In den Jahren 1928 – 1931 wurde die Anstalt grundlegend modernisiert und verändert. Alle Gefangenenunterkünfte wurden an die Dampfheizung angeschlossen, es wurden Heizkörper und Wasserspülklosetts eingebaut. Der Zellenbau von 1899 wurde erweitert und erhielt einen sechsgeschossigen Turm, so dass sich die Zahl der Zellen auf 142 erhöhte. Neu erbaut wurden ein Kesselhaus sowie der Bau V mit Gefangenenbad, Waschküche, Kochküche und Bäckerei, einer Krankenabteilung und der Kammer.
- Von 1937 – 1945 war die Schwäbisch Haller Anstalt Sicherungsanstalt und Zuchthaus, nach Kriegsende bis 1947 Internierungslager der amerikanischen Besatzungsmacht und bis Dezember 1947 dann Ausländergefängnis der Amerikaner. Nach Rückgabe in deutsche Verwaltung (ab 05.01.1948) war die Anstalt zunächst Zuchthaus, danach Landesstrafanstalt bis März 1952. Vom 1. April 1952 war sie Jugendgefängnis für das Land Baden-Württemberg, ab 1. Oktober 1953 hieß sie „Jugendstrafanstalt“. Bei einer Belegung von 500 bis 600 Gefangenen konnte der Vollzug seinen Aufgaben nur schwer nachkommen. Erst mit der Eröffnung einer neuen Jugendstrafanstalt in Adelsheim erfuhr die Schwäbisch Haller Anstalt 1974 die dringend erforderliche Entlastung. In den folgenden Jahren konnte ein modernes, fortschrittliches Konzept für den Jugendstrafvollzug umgesetzt werden.
- Von März 1960 bis April 1970 gehörte auch noch die landwirtschaftliche Außenstelle Kapfenburg, Kreis Aalen, in den Zuständigkeitsbereich der Anstalt. Im Jahr 1986 erhielt die Haller Anstalt eine sehr schönes neues Freigängerheim; das bis dahin als Freigängerhaus genutzte „Blockhaus“ wurde abgerissen.
- Die letzte wichtige Veränderung erfuhr die alte Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall in der Stadtmitte 1996.
Mit der Einführung der Zuständigkeit für den Vollzug an heranwachsenden und erwachsenen Gefangenen endete das 1952 begonnene Dasein als Jugendstrafanstalt nach 44 Jahren.
Der bisher letzte Meilenstein in der Vollzugsgeschichte von Schwäbisch Hall war schließlich der im April 1998 als Ersatz für die in der Altstadt von Schwäbisch Hall am Kocher gelegene Altanstalt als multifunktionale Justizvollzugsanstalt in Baden-Württemberg in Betrieb genommene Neubau. Das ummauerte Gelände der Anstalt des geschlossenen Vollzugs im Industriegebiet Stadtheide beträgt ca. 3,4 ha; hinzu kommen noch ca. 1,5 ha für die im Jahre 2000 errichtete Ballspielhalle und einen geplanten Sportplatz außerhalb der derzeitigen Umfassungsmauer. Die Gesamtbaukosten für die Justizvollzugsanstalt nebst Ballspielhalle betrugen seinerzeit rd. 76 Mio. DM.
Die Entwicklung der Haller Justizvollzugsanstalt im 21. Jahrhundert
- Im April 2003 wurde innerhalb des Anstaltsgeländes ein weiteres Haftgebäude in Betrieb genommen. Die Einrichtungskosten hierfür lagen bei ca. 4,7 Mio.€.
- Ende April 2015 wurde die landwirtschaftliche Außenstelle Klein-Komburg geschlossen.
- Zum 01. Mai 2015 wurde die landwirtschaftliche Außenstelle Kapfenburg bei Lauchheim an die Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall angegliedert. Diese gehörte bereits von März 1960 bis April 1970 zum Zuständigkeitsbereich der Anstalt.
- Im Jahr 2025 wurde das Freigängerheim geschlossen.